**BERNHARD HOSA** biography works news texts/press contact


TEXTS/PRESS    
  Portraits ohne Anlitz

Ins Offene

Menschen und Monster

Der reine Raum

Verwässerte Theorien

 
  Der reine Raum (2007)

Bildhauerei kann den menschlichen Körper nie hinter sich lassen. Nicht zuletzt, da sie ja über eine lange Zeitspanne an der Konstruktion desselben mitgearbeitet und diesem sein Hohelied gesungen hat. Sie ist gefangen von der Vorstellung des Körpers, der in zahllosen Varianten als Bild und Objekt dem Auge vorgeführt wird, und dem Leib des Betrachters, der das scheinbar unhintergehbare Zentrum, die unsichtbare Achse seines "Ichs" ist. Dieses pulsierende Zentrum kann der Bildhauer nie in den Blick bekommen, da seine Augen immer nach draußen gerichtet sind. Im Außen sind wir immer mit unserem vorgestellten Körper konfrontiert, begegnen wir lediglich unserem eigenen Bild. Dieses Gefängnis beschreibt Rilke in seiner achten Duineser Elegie wie folgt:

Mit allen Augen sieht die Kreatur
Das Offene. Nur unsre Augen sind
Wie umgekehrt und ganz um sie gestellt
Als Fallen, rings um ihren freien Ausgang.
Was draußen ist, wir wissens aus des Tiers
Antlitz allein […]

Antonin Artaud rüttelte an den Gitterstäben der Körperkonstruktionen unserer Vorstellungskraft. Er entwarf den organlosen Leib, der beziehungslos zu seiner Umwelt reiner Körper sein sollte und in der Folge ein Ort, der keine Bilder und keine Konstruktion von Raum mehr erzeugt, aber auch von dem, was sich außerhalb befindet nicht erfassbar ist. In einer Kontraktionsbewegung sollte die Ausdehnung, die ja nur eine Illusion der Vorstellungskraft ist, ausgelöscht werden und das eigentlich Körperliche erscheinen.

Bernhard Hosa scheint in naher Verwandtschaft zur Kontraktionsbewegung Artauds seine Untersuchungen zur Plastik auszuführen. In fast allen seinen Arbeiten zeigt er die Konstruktion des menschlichen Körpers durch das Bild von dessen Abwesenheit. Er führt eine Menagerie an Gegenständen vor, die alle an der Form des menschlichen Körpers Maß nehmen mussten: Socken, Schuhe, Kloschüsseln, Abflussrohre und dergleichen mehr. Diese setzt und stellt er auf pointierte, nicht funktionale Weise zueinander in Beziehung. Durch deren Anblick werden wir als Betrachter immer auf den Körper verwiesen, aber eben in seiner Negativform und Abwesenheit. In diesem eigentümlichen Verhältnis erkennen wir sinnlich die Ausweglosigkeit aus unserem räumlich konstruierten Kosmos.

Pure Space (2007)

No sculptural work can ever leave the human body behind. Not least because, for a long time span, sculpting collaborated in its construction and sang its praises. Sculpture is caught up with a vision of the body, which is paraded in countless variations, both as image and object, before the eye of the beholder, signaling to the body that it is and will ever remain the seemingly undeceivable, unhoodwinkable, centre, the invisible axis of its self. This pulsating centre is something the sculptor will never be able to clap his eyes on, as his gaze is always directed outwards. On the outside, we are always confronted with our imagined and imaginary bodies, we encounter nothing but our own image. This is what Rilke describes in the eighth of his Duino Elegies, as follows:

"The creature gazes into openness with all / its eyes. But our eyes are / as if they were reversed, and surround it, / everywhere, like barriers against its free passage. We know what is outside us from the animals`s / face alone [...]"

Antonin Artaud rattles at the cage of all the body constructions of our imagination. He conceived of a body free of organs, which, unreleased to its surroundings, was to be the pure body, and in consequence, would no longer create any images or constructions of space, but would also remain unaffected by what was outside. In a contraction movement, this expansion, which is, after all, merely an illusion of the mind`s eye, was to be extinguished, causing the intrinsic body quality to emerge.

Bernhard Hosa appears to be carrying out his investigations into sculpture in close proximity to Artaud`s contraction movement. In almost all of his works he demonstrates something about the construction of the human body trough images of its absence. He parades a menagerie of objects that all derive their measurements from the shape of the human body: socks, shoes, toilet bowls, drainage pipes, and such. Placing thes objects together in some pointed, non-functional manner, he keeps referring us, as viewers, back to the body - but always in its negative form, its absence. In this curious relationship we finally recognise, in a most sensually physical way, the "no exit" signs - showing us just how trapped we are inside our very own narrow spatially constructed cosmos.

Boris Manner