**BERNHARD HOSA** biography works news texts/press contact


TEXTS/PRESS    
  Portraits ohne Anlitz

Ins Offene

Menschen und Monster

Der reine Raum

Verwässerte Theorien

 
  Menschen und Monster (2008)

Erwin Uhrmann

Die Recherche als künstlerische Strategie - Bernhard Hosa verbringt viel Zeit über Büchern. Sein Arbeitsraum ist eine Mischung aus Laboratorium und Lesesaal. Seit mehreren Jahren beschäftigt er sich intensiv mit den Themenkomplexen Gewalt und Verbrechen. Seine Arbeiten sind Konzept und Kritik. Zweites vor allem an der Wissenschaft. Denn wissenschaftlicher Output gilt dem aufgeklärten Menschen als legitim, wirkt sich auf Politik und in Folge direkt auf die Gesellschaft aus. Hosas Recherchekunst offenbart einen Röntgenblick, der diese Kausalitäten durchleuchtet. Die Schlüsse aus seinen Erkenntnissen zieht man als Betrachter selbst, denn hier ist er Künstler, serviert im ästhetischen Rahmen, was er gefunden hat. Seine Collagen, Installationen, Objekte wirken klinisch und kühl, nehmen den Charakter der recherchierten Inhalte an. Praktisches Anwendungsgebiet Wissenschaftlicher Forschung ist etwa der Kriminalbereich. Was mit einer Behauptung beginnt und untermauert wird, kommt - am Ende einer Medienmaschinerie - in hochstilisierter Form heraus. Menschen werden zu Monstern, und meist gibt es jemanden, der sie dazu macht.

DIE FASZINATION DES GEWALTTÄTERS

über einem Bild des Bombenattentäters Franz Fuchs titelte die Krone "Ein Gesicht wie ein Geständnis", und stellte damit klar, dass Fuchs quasi zum Töten determiniert war. Aileen Wuornos, Serienmörderin und als solche Medienstar, wurde post mortem, verkörpert durch den Hollywoodstar Charlize Theron im Film "Monster", weltweit bekannt. Ihre traurige Lebensgeschichte gilt Regisseurin Patty Jenkins als Erklärung für ihr späteres Handeln. Ohne Zweifel üben rituelle Gewalttäter eine Faszination auf die Popkultur aus. Gleichsam aber wird dies wenig reflektiert. Hosas Arbeiten benutzen erst gar nicht plakative Typen oder popkulturelle Schnipsel. Vielmehr wird versucht, die Zusammenhänge, die hinter den medial vermittelten Bildern und Erkenntnissen liegen, offen zu Iegen. Etwa wenn es um Determinismus geht. Dazu durchforscht Hosa die Kriminalanthropologie, angefangen bei einem ihrer Gründer Cesare Lombroso; vertieft sich in damalige und heutige Sichtweisen, wie etwa jene des Neurologen Gerhard Roth. Dem recherchierenden Künstler geht es um Ansichten, die unser momentanes Gesellschaftssystem prägen und die Rechtsprechung beeinflussen. Hosas Kunst ist nicht vordergründig politisch, weil sie nicht moralisiert, sich jeglichen Werturteils entält. Die Anordnung der Dinge, welche der Künstler vorschlägt, ist jedoch ein Modell für den Betrachter, das sich deuten lässt, zum Beispiel so: die augenIosen Mörder sind entmenschlicht, ihnen fehlt aber auch der Wichtigste Bestandteil ihrer visuellen Persönlichkeit. Sie können einem nicht mehr in die Augen sehen. Man könnte diese Bildkomposition als Mahnung deuten, allerdings nicht moralisch, sondern etymologisch, ausgehend vom lateinischen Wort "monere", das für "mahnen" und "warnen" steht, womit man wieder beim Monster angelangt wäre.